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Editorial
Liebe Leserinnen und Leser,
ein Gespenst geht um in Europa. Manch ein bedeutender Mensch soll es
schon zu Gesicht bekommen haben.Wolfgang Benz etwa, dessen
Vorurteilsforschung von den „Studies in Prejudice“ der Kritischen
Theorie ungefähr so viel Ahnung hat wie er selbst von der Nazi-Karriere
seines Doktorvaters Karl Bosl. Auch Kay Sokolowsky hat das Gespenst
erblickt und ihm gleich ein ganzes Buch gewidmet. Und zur Abwehr des
geheimnisvollen Wesens, das immer dann, wenn man glaubt, es fassen zu
können, enthuscht, wurden bereits die ersten universitären Institute
gegründet, deren Mitarbeiter nicht nur gar nicht mal so schlecht
bezahlte Doktorandenstellen abgreifen konnten, sondern sich für diese
Huld mit intellektuellem Wagemut und heldischer Zivilcourage bedanken.
Das Gespenst, das sie bekämpfen, ist selbstverständlich die
Islamophobie. Obwohl sich an der Virulenz des Antisemitismus im Grunde
ebenso wenig geändert hat wie an der des Fremdenhasses und sich der
moralisch einwandfrei gerierende, stolze Europäer nicht an dem
„Nebenwiderspruch“ stört, dass er jedes Jahr tausende Flüchtlinge im
Mittelmeer ersaufen lässt (und im Nachhinein nicht wenige der mit dem
Leben Davongekommenen zum Verdursten in die libysche Wüste abschiebt),
scheint kein Thema die europäischen Geister so sehr zu bewegen wie die
Islamophobie.
Dies gilt insbesondere für Großbritannien. Dort wurde gerade der
israelische Historiker Benny Morris von einem Gastvortrag für die
Cambridge University Israel Society wieder ausgeladen. Während Morris‘
Studien zur Entstehung der palästinensischen Flüchtlingsproblematik
bejubelt wurden, stoßen seine Erkenntnisse über den palästinensischen
und iranischen Vernichtungswillen gelinde gesagt auf Unverständnis und
Ablehnung: „We understand that whilst Professor Benny Morris‘
contribution to history is highly respectable and significant, his
personal views are, regrettably, deeply offensive to many. We want to
clarify that the intention of the Israel Society was never to give
racism a platform. […] Ultimately, we place respect for those who have
been offended above the importance of hosting this speaker.“ So eben
jene Society auf ihrer Homepage.
Was genau „deeply offensive to many“ ist, und wer diese „many“ sind,
darüber schweigt man sich konsequenterweise aus, auch wenn es keines
detektivischen Spürsinns bedarf, um den Beleidigten auf die Spur zu
kommen: Die Islamic Society und die Pakistan Society der Universität
hatten sich über die Einladung eines „islamophoben Hasspredigers“
erbost. Es scheint, als sei Großbritannien tatsächlich im Würgegriff
der Islamophobie, jedoch auf andere Weise als allgemein propagiert.
Während auf der Insel Scharia-Gerichte ihrem antizivilisatorischen
Handwerk nachgehen dürfen, wird versucht, Menschen wie Benny Morris
mundtot zu machen, aus Angst, Moslems zu beleidigen, kurz: aus
Islamophobie. Die Frage, wer denn Angst vorm Muselmann hat, müssten
Vereine wie die Israel Society mit einem lauten „WIIIIR“ beantworten,
zusammen mit einer leider nicht sehr geringen Anzahl weiterer
Institutionen, Politiker und Schreiberlinge im wiedervereinigten
Europa.
Da darf die Redaktion Prodomo selbstverständlich nicht
tatenlos zusehen. Und so hat sie, nebenbei, erfolgreich den geplanten
Auftritt des islamischen Hasspredigers Pierre Vogel am 20. Februar im
Bonner Brückenforum, das ansonsten solch unislamische Zusammenkünfte
wie die "2. Mädchensitzung KG Wiesse Müüss" beherbergt, durch gezielte
Informationspolitik verhindert. Der Kampf gegen die Islamophobie hat
gerade erst begonnen.
Die Redaktion
Köln, März 2010
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