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Unkomplexe Komplexitätsreduktion:
Über anakoluthisches Sprechen
Eine sprachethische Note
RALF FRODERMANN
Das ungesagte Wort wurde beim Wort genommen und bildete, so
gut wie das gesprochene, ein semantisches Signal, einen referentiellen
Halo-Effekt.
Interesseloses Unbehagen an Kultur, Geschichte, Zivilisation und
Aufklärung – erkennbar an Marginalien wie etwa der, dass nach Löschung
eingegangener, so genannter „Nachrichten“ die Meldung „Fortschritt“ auf
dem Display mancher Mobiltelefone erscheint – sorgte dafür, dass das
ungesprochene Wort heute oft nichts weiter als einen approbierten
Regelverstoß eines kommunikativen Kontexts darstellt. Seine sprachliche
Bewältigung erfährt er im angemessen unangemessen Fragmentarischen.
Als bloßes Stilmittel hat es ebenso ausgedient wie das
ungesprochen-gesprochene Wort, die Ellipse, ja wie aller Manierismus,
dem das Bruchstück, die knappe Allusion wie das beredte Schweigen
integral eignete.
Ohne alle stilistischen Intentionen wirkt fragmentarisches Sprechen
schamlos. Allerdings nicht auf die Schamlosen, deren Produktion in die
Sphäre der Bildung fällt.
Die Sprache ist ohne Sprecher wie die Sakralbauten Europas ohne
Gläubige und jene zerfällt wie diese. Das syntaktische Desaster, der
Satzbruch, ist nicht länger ein zu korrigierender Makel, sondern –
unkorrigierbar wie das parmenideische All-Eine - Schibbolet Ich-loser
Subjekte, deren amputierte Sprache ihnen selbst den Ausdruck ihrer
Phantomschmerzen versagt.
Die unfertige Rede ist die Rede des unfertigen Menschen; eine Rede, die
einzig im Schlag oder im Schrei mündend zu sich kommt, indem sie
untergeht oder Untergang besiegelt.
So sprachlich weist sich heute die Zukunft aus.
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