Ausgabe #13 vom

Editorial

In eigener Sache

Liebe Leserinnen und Leser,
 
 ein Gespenst geht um in Europa. Manch ein bedeutender Mensch soll es schon zu Gesicht bekommen haben.Wolfgang Benz etwa, dessen Vorurteilsforschung von den „Studies in Prejudice“ der Kritischen Theorie ungefähr so viel Ahnung hat wie er selbst von der Nazi-Karriere seines Doktorvaters Karl Bosl. Auch Kay Sokolowsky hat das Gespenst erblickt und ihm gleich ein ganzes Buch gewidmet. Und zur Abwehr des geheimnisvollen Wesens, das immer dann, wenn man glaubt, es fassen zu können, enthuscht, wurden bereits die ersten universitären Institute gegründet, deren Mitarbeiter nicht nur gar nicht mal so schlecht bezahlte Doktorandenstellen abgreifen konnten, sondern sich für diese Huld mit intellektuellem Wagemut und heldischer Zivilcourage bedanken.
 
 Das Gespenst, das sie bekämpfen, ist selbstverständlich die Islamophobie. Obwohl sich an der Virulenz des Antisemitismus im Grunde ebenso wenig geändert hat wie an der des Fremdenhasses und sich der moralisch einwandfrei gerierende, stolze Europäer nicht an dem „Nebenwiderspruch“ stört, dass er jedes Jahr tausende Flüchtlinge im Mittelmeer ersaufen lässt (und im Nachhinein nicht wenige der mit dem Leben Davongekommenen zum Verdursten in die libysche Wüste abschiebt), scheint kein Thema die europäischen Geister so sehr zu bewegen wie die Islamophobie.
 
 Dies gilt insbesondere für Großbritannien. Dort wurde gerade der israelische Historiker Benny Morris von einem Gastvortrag für die Cambridge University Israel Society wieder ausgeladen. Während Morris‘ Studien zur Entstehung der palästinensischen Flüchtlingsproblematik bejubelt wurden, stoßen seine Erkenntnisse über den palästinensischen und iranischen Vernichtungswillen gelinde gesagt auf Unverständnis und Ablehnung: „We understand that whilst Professor Benny Morris‘ contribution to history is highly respectable and significant, his personal views are, regrettably, deeply offensive to many. We want to clarify that the intention of the Israel Society was never to give racism a platform. […] Ultimately, we place respect for those who have been offended above the importance of hosting this speaker.“ So eben jene Society auf ihrer Homepage.
 
 Was genau „deeply offensive to many“ ist, und wer diese „many“ sind, darüber schweigt man sich konsequenterweise aus, auch wenn es keines detektivischen Spürsinns bedarf, um den Beleidigten auf die Spur zu kommen: Die Islamic Society und die Pakistan Society der Universität hatten sich über die Einladung eines „islamophoben Hasspredigers“ erbost. Es scheint, als sei Großbritannien tatsächlich im Würgegriff der Islamophobie, jedoch auf andere Weise als allgemein propagiert. Während auf der Insel Scharia-Gerichte ihrem antizivilisatorischen Handwerk nachgehen dürfen, wird versucht, Menschen wie Benny Morris mundtot zu machen, aus Angst, Moslems zu beleidigen, kurz: aus Islamophobie. Die Frage, wer denn Angst vorm Muselmann hat, müssten Vereine wie die Israel Society mit einem lauten „WIIIIR“ beantworten, zusammen mit einer leider nicht sehr geringen Anzahl weiterer Institutionen, Politiker und Schreiberlinge im wiedervereinigten Europa. 
 
 Da darf die Redaktion Prodomo selbstverständlich nicht tatenlos zusehen. Und so hat sie, nebenbei, erfolgreich den geplanten Auftritt des islamischen Hasspredigers Pierre Vogel am 20. Februar im Bonner Brückenforum, das ansonsten solch unislamische Zusammenkünfte wie die "2. Mädchensitzung KG Wiesse Müüss" beherbergt, durch gezielte Informationspolitik verhindert. Der Kampf gegen die Islamophobie hat gerade erst begonnen.
 
 Die Redaktion
 
 Köln, März 2010